Grevenbroich – Schiefbahn – Anrath – Goch: So heißen die Orte, an denen ich einen Wohnsitz hatte. Von meiner “Stunde Null”
bis März 1966 in meiner Geburtsstadt Grevenbroich auf der Niermannstraße, dann bis Mai 1975 in der Wilhelm-Busch-Straße in Schiefbahn und von da bis September 1987 in der Anrather Weberstraße. Zwölf Jahre Anrath nehmen also jede Menge Platz in meiner Biografie ein. Schon irgendwie prägende Jahre, denn in der Zeit ist viel passiert – negativ wie positiv.
Eigentlich mochte ich Anrath nicht, denn ich kannte es nicht als meine Eltern eben dort ein Baugrundstück erwarben, was natürlich auch irgendwann einmal seiner Bestimmung gemäß genutzt werden sollte. Weg von den Freunden in Schiefbahn hieß es da für mich. Nicht mehr “mal eben” unten zwischen den Häusern Fußball spielen mit Hans-Jürgen und Jürgen. Keine Kohlrabis mehr klauen vom Feld von Kockerols
(Werner, wenn Du das zufällig liest, dann kommentiere doch bitte
), die dann Muttern letztlich teurer bezahlen musste als im Geschäft…
Nun blieb ich Schiefbahn ja erhalten, denn das St.-Bernhard-Gymnasium hatte mich ja noch an der Backe und Oma und Opa sowieso. Mit meiner Mobylette war es ja auch kein Problem, “mal eben” nach Schiefbahn zu gurken. Ins Internat zu meinen dort einkasernierten wohnenden Klassenkameraden oder später zu meinen Kumpels meiner neuen Klasse (Stichwort Ehrenrunde). Aber ich merke schon, dass ich abschweife…
Der 15. September 1987 war ein für mich und mein danachiges Leben einschneidender Tag. Zwar musste ich mich zwangsweise ab dem 1. Februar 1982 bereits in Goch wohnhaft melden (Zeitsoldat eben, an denen die Garnisonskommunen Steuern verdienen wollten), aber erst an jenem Tag zog ich auch wirklich hierhin. Von der Pfalzdorfer Straße 79/I um die Ecke in die Dr.-Rademacher-Straße 11, meine Adresse, die sich seitdem nie mehr geändert hat…
Dennoch bin ich Anrath immer verbunden geblieben, was natürlich auch familiäre Gründe hat, aber auch von meinem Interesse war. Dies gilt besonders auch in diesem Jahr, in dem Anrath auf 1000 Jahre des Bestehens zurückblicken kann. Dies tut der Bürgerverein Anrath e.V. mit zahlreichen Aktionen und einer DVD. Dieses Video hat mich schlicht und ergreifend begeistert! Ich wusste natürlich von dem Preis in Höhe von nur 10 €uro und stellte mir darunter eine “einfache” Scheibe in “normaler” Verpackung vor. Pustekuchen! Was mir mein Schwesterlein da schickte war ein professionelles Produkt in ebensolcher Aufmachung, die dem Anlass entsprechend mit jeder Menge Liebe und Herzblut gestaltet wurde.
Das machte nun natürlich erst Recht Lust auf mehr und sofort musste ich meine Neugier befriedigen und das Video einlegen. “Klickst Dich halt mal so im Schnelldurchlauf durch die einzelnen Punkte und guckst den ganzen Film später mal…” dachte ich mir noch. Aber von wegen! Die 77 Minuten blieb ich nun wie gefesselt vor meinem Bildschirm und kein Gedanke wurde verschwendet, erstmal nur Ausschnitte anzusehen. Der Film ließ mich nicht los.
Hochinteressantes habe ich erfahren von der Entstehung Anraths, kenne natürlich einiges aus meiner Zeit und konnte z. B. Straßennamen plötzlich zuordnen. Was musste ich schmunzeln und auch laut lachen, als eine gewisse Gasse im Film erläutert wurde, da diese häufig als alternativer Nach-Hause-Weg von “Achim” diente
… Irgendwie gehofft, aber nicht wirklich zu träumen gewagt, hatte ich auf Bilder meines einstigen Lehrherren und Arbeitgebers Schmitz & Co. Fahrzeugsitze in der Lerchenfeldstraße. Und was wurde tatsächlich gezeigt? Die Fassade mit den Buchstaben “RHW”, die wohl kaum noch ein Anrather wird zuordnen können…
Ich gebe zu, dass mir – auch – an dieser Stelle die Augen feucht wurden. Diese Fassade war mal in unseren Farben gestaltet worden mit unserem Logo (liefere ich noch nach); da war ich noch als Azubi im Einkauf und weiß noch sehr genau, was sich um diese Fassade herum abgespielt hatte. Auf meine Zeit bei Schmico werde ich sicher noch näher eingehen, aber diese Episode bleibt hiermit erst- und einzigstmals erwähnt!
Schmico kam danach zu “RHW” – Rentrop-Hubbert-Wagener (oder Wagner? muss ich recherchieren). Auf unseren Fahrzeugsitzen fühlten sich vor allem Besitzer von VW, Audi und BMW wohl sowie mehr oder weniger die Iltis-Fahrer der Bundeswehr
. Über den höhenverstellbaren Fahrersitz machten wir uns lustig. Ich durfte ihn in meiner Zeit in der Abteilung Arbeitsvorbereitung (einer der lustigsten) mitkalkulieren. “Aber ruhig so hoch, damit wir diesen schwachsinnigen Auftrag nicht bekommen. So ein Quatsch!” Irgendwie lagen wir an diesem Tag alle falsch, wie man heute weiß
…
Aber auf das auslaufende Patent der stufenlosen Sitzlehnenverstellung, die mittels spezielle Beschläge der Firma Keiper möglich war, da schielten wir händereibend schon drauf… Ich glaube, da hat Schmico damals auch angeknüpft, leider verliefen die Kontakte mit zunehmender Zeit immer mehr im Sande. Und doch kann und möchte ich abschließend einfach noch ein paar Namen aufzählen, die sicherlich unvollständig sind und deren Reihenfolge keine Wertung der Personen darstellt:
Brülls
(ja, genau, Heidi, auf deren berühmten Onkel Albert sie aber nicht angesprochen werden wollte), Lappen, Reichen, Reimann I, Reimann II, Rüthlein, Dämkes
, Driessen, Plätzmüller, Pindur, Rohm, Rohm, Böhm, “Asbach”, Weyers (Ruft Kollegen am Nachbartisch an: “Uwe, ich wollte nur sagen: Heute findet Freitag statt.”), [Uwe] Schummers (freitags, AV, auf dem Tisch
), Ohldag, Lortz, Sollich, Möhring, Hendricks, Schetter, Calefice, Weimer, Schmitz, Kimhofer (wird noch vervollständigt werden müssen…)


