Wie bereits erwähnt, befand ich mich vom 23. Mai bis 1. Juni auf meiner diesjährigen Reise in und durch den Osten unserer Republik. Das erste Ziel lag traditionsgemäß wieder in Naundorf bei Forst anläßlich unseres Ehemaligentreffens der Truppenverwaltung des JG 73 (MiG 29) am Freitag. Am nächsten Tag ging es dann – ebenfalls wie immer – über die Landstraße in Richtung Dresden. Groß-Schacksdorf ließ ich dabei diesmal ebenso aus wie den Abstecher in das Döberner Bleikristallwerk. Spremberg, Schwarze Pumpe, Hoyerswerda, Ottendorf-Okrilla, Herms- und Weixdorf durchfuhr ich ebenso wie Königsbrück, bevor ich dann Klotzsche erreichte. Aber da war ich ja schon in Dresden – es war wie immer ein freudiger Moment, das erste Ortsschild zu passieren: Bin gleich da
!
Da dieser Bericht “etwas” länger wurde habe ich ihn thematisch – chronologisch ging einfach nicht so wirklich – gegliedert. Viel Spaß wünsche ich dabei
.
Übersicht der Abschnitte:
- Vorgeplänkel
- Ehemaligentreffen
- Geburtstag Tante Traudel
- Geburtstag Bernd
- Nostalgie I
- Nostalgie II
- Schiffstour nach Pillnitz
- Ziegengrund
- Prager Straße und Hauptbahnhof
- Aufstieg zur Frauenkirche
- Sommerzeit ist Biergartenzeit
- Nur ein Wort: Dresden!
- Mein Erstbesuch Tschechiens
- Rund um die Autofahrerei
- Der “unbemannte” Infostand und die SPD Dresden
- Schmunzeleinheiten
- Schlussbemerkungen
Vorgeplänkel
Was man vorher erklärt haben muss.
Nanu, ausgerechnet Nobbi fängt mit ‘ner Kirche an? wird sich mancher jetzt wundern. “Was hat es mit Dir und Dresden / DDR eigentlich auf sich?” Die Frage kam gewissermaßen gleich zwei Mal auf, ich schicke die Antwort zum besseren Verständnis des folgenden Berichtes voraus. Dabei lege ich Wert auf die Feststellung, dass die Freude überwiegen soll, aber dennoch auch kritische Untertöne nicht gänzlich auszuschließen sein werden….
Nun, in der Annenkirche wurde Anfang der dreißiger Jahre meine Mutter getauft. Als Teenager (sagte man damals natürlich nicht) gab es ein “Mädel-Quartett”, dicke Freundinnen: Meine/unsere Mutter Inge, “Tante” Traudel, Elli und Maja. Mutti ging 1956 nach einem Besuch bei Verwandten in Grevenbroich nicht mehr zurück nach Dresden und schrieb das Oma und Opa. Oma “feierte” ihren 50. Geburtstag dann zwei Jahre später im Übergangslager Berlin-Marienfelde – und teilte dies auch erst zu diesem Zeitpunkt aus dem Lager heraus der Tochter mit. Opa hatte übrigens in der damaligen “Ostzone” auch so seine Schwierigkeiten… SPDler eben und konnte nie seine Gusche halten
…
Das Quartett halbierte sich, auch aus politischen Gründen, die aus meiner Sicht aber in diesem Fall keine Rolle mehr spielen. Jana, Ellis Tochter (natürlich hübscher als ich
), habe ich jetzt erstmals kennengelernt, wir haben uns nicht “zerfleischt” und sind prima miteinander ausgekommen. Sie weiß jetzt auch, dass ich nicht Traudels dritter Sohn und doch wohl hoffentlich ganz in Ordnung bin
…
Zu DDR-Zeiten sind wir regelmäßig nach Dresden gereist. Die Umstände schildere ich in dieser Rubrik irgendwann einmal. Die Behörden ließen das “Verwandtschaftsverhältnis” “Langjährige Freundschaft” in der ganzen Zeit als Einreisegrund für uns gelten! Das klappte wirklich bis zum Ende, also auch noch 1988! Für die Gegenbesuche sowohl von “Onkel” Rudi als auch Traudel mussten wir uns aber etwas anderes einfallen lassen. Glaubt mir, die Stasi hat man tatsächlich verarschen können
…
Am 9. November 1989 flossen dann Sturzbäche aus den Augen in beiden Familien. Was hatten wir mitgezittert, mitgelitten, Angst gehabt um unsere allerengsten Freunde in Dresden! Telefon war ja noch nicht. Es ist gut gegangen, wie wir wissen. Auch am Dresdner Hauptbahnhof, als der Wartburg der Volkspolizei in Flammen aufging… (Nein, keine aktive Beteiligung, aber es waren “Leute von uns” mit vor Ort).
Der Unrechts-, der Stasi-Staat hatte fertig! Und nu können wir rieber- und niebermachen wie wir wollen und schaffen es einfach nur zu Kurzbesuchen. Bescheuert irgendwie, neh wahr? Gut, ich bin einmal im Jahr natürlich auch in Dresden – als Abstecher vom Ehemaligentreffen sozusagen, auf der Durchreise nach Hause. Aber in diesem Jahr gab es zahlreiche Gründe und auch die zeitliche Gelegenheit (da mussten zwei Urlaube koordinert werden), endlich mal wenigstens eine Woche in Dresden zu verbringen.
Dabei stellte sich schnell heraus, dass Bernd, mein Dresdner Gastgeber, Sohnemann von “Tantchen”, und ich immer wieder unabgesprochen dieselben Ideen hatten, was wir denn morgen/jetzt machen: “Pioniereisenbahn”, Carola-See und und und. (N)Ostalgie pur! Aber die ganze Tour war voller Höhepunkte! Jeder Tag ein einmaliger Tag.
Ich werde versuchen, ein paar Eindrücke vor allem aus Dresden objektiv widerzugeben, obwohl die Emotionen mit mir durchgehen könnten, wie ich zugeben muss. Denn auch das Private kann durchaus dazu dienen, den Sachsen als solches und den Dresdner (hach, oder die Dresdnerin
) im Besonderen sowie natürlich Dresden selbst objektiv subjektiv vorzustellen. Ich glaube, ich lasse auch genug Platz zum Schmunzeln
.
Ehemaligentreffen
Traditionsveranstaltung von Ossis und Wessis
Jedes Jahr im Mai treffen sich die ehemaligen Angehörigen der Truppenverwaltung des Jagdgeschwaders 73 (Preschen, MiG 29) in Naundorf bei Forst in Weber’s Gartencafé und Pension zum zünftigen Kegeln auf der “Autobahn”, die eben keine Scherenbahn ist und auch so manch besondere Regel mit sich bringt, die man uns Wossis *) Jahr für Jahr erstmal wieder auffrischen muss
. Dieses Jahr hat es immerhin für den zweiten Platz in der Einzelwertung gereicht für mich. Mal wieder grinste “Cheffchen” breit, weil ich meine letzte Wurfserie verrissen hatte und er insgesamt zwei, ich aber “nur” eine Neun warf
.
Wie immer hatte Elke unser Treffen vorzüglich vorbereitet. Hierfür gebührt ihr auch hier nochmal von mir ein herzliches Dankeschön
! Ob es unser Buffet war oder die Organisation unserer Unterkünfte bei Webers, alles war wieder bestens in Ordnung, man konnte sich wie immer drauf verlassen, dass alles seinen gewohnt zuverlässigen Gang gehen wird. Es dürfte nicht weiter Verwunderlich sein, dass unser Treffen im nächsten Jahr bereits terminiert und auch die Zimmer schon gebucht sind
.
Premiere hatte für unsere Truppe(nverwaltung) auch das Rauchverbot in Brandenburg. Der zweite Wossi *) in der Runde, Rudi, und “Cheffchen” Wolfgang mussten die Traditionszigarre ebenso vor der Türe rauchen wie ich meine Kippe im Vorgarten (da kannte ich den Aschenbecher am Seiteneingang noch nicht
). Da aber das Wetter mitspielte, war das kein Problem und tat auch dem Spaß überhaupt keinen Abbruch.
Allzuviel will ich über unsere Gastgeber eigentlich gar nicht verraten, denn wir reden, äh schreiben, hier über einen absoluten Geheimtipp
. Ebenso Tradition ist es natürlich, nach dem Frühstück am “Tag danach” (Rudi und ich hauten uns zum Abendabschluss selbstverfreilich noch den obligatorischen Absacker zwischen die Kiemen) die Komplettrechnung diskret überreicht zu bekommen. Da kann man dann nachvollziehen, warum einem das Aufstehen etwas schwerer als sonst gefallen ist
… Normalerweise gibt man dann auch seinen Zimmerschlüssel ab. Oder man überlegt – schon an der Hauptstraße auf der Weiterfahrt nach Dresden angekommen – “Halt, da war doch noch was!” Na gut, dachte ich, ist ja doch noch etwas hin bis Mai 2009 und den Zimmerschlüssel brauchste nicht wirklich in dem Zeitraum, drehste eben und gibst ihn noch ab….
*) Wossi = Nicht Ossi, nicht Wessi, sondern eben Wossi. Im JG 73 wurden so die sogenannten “Instruktoren” genannt, die “Aufbauhilfe Ost in Sachen Bundeswehr” leisteten. Dabei wurde dann von den Ossis fein unterschieden zwischen Wessi und Wossi. Als Wessi kam natürlich jeder von uns Altländlern, aber als Wossi ging längst nicht jeder nach Hause. Wossi war im Prinzip das Gegenteil vom zu Hauf anzutreffenden “Besser-Wessi”. Solche werden übrigens zum Ehemaligentreffen auch nie eingeladen… Rudi und ich dürfen uns stolz “Wossi” nennen
.
Geburtstag Tante Traudel
75, aber manchmal auch noch wie 5
Kommen wir nun zu den beiden Über-Höhepunkten meiner Dresdenzeit, denn es gab insgesamt 125 Lebensjahre zu feiern. Genau eine Woche vor ihrem Sohnemann Bernd startete Traudel die Festivitäten. Wie immer traf man sich erstmal zu Kaffee und Kuchen, bevor es dann am Abend nach schräg gegenüber zu Arni ging.
Solch ein Geburtstag gilt es natürlich auch für die Gäste vorzubereiten – geschenketechnisch. Zunächst hatten wir an eine Reise gedacht, aber sooo sehr begeistert war Tantchen wohl nicht, wie man ausgekundschaftet hatte. Der alte Fernsehapparat würde es wohl nicht mehr lange machen, also war die Geschenkidee klar. Zu sechst legten wir also zusammen. Bernd hatte sich die Angelegenheit aber nicht so schwierig vorgestellt, denn es sollte ein “Gerät mit Ar***” sein, also kein Flachbildschirm. Aber bekomme heutzutage mal so ein Teil. Letztlich war die Suche erfolgreich.
Den Fernseher lagerten wir im Keller zwischen, da in der Wohnung an dem Tag ohnehin Hektik pur sein würde. Den Karton schmückten Bernd und ich noch mit einem Schleifchen und nahmen die Tüte mit der Fernbedienung und Betriebsanleitung mit, um damit unser Geburtstagsgeschenk symbolisch zu überreichen. Nur – es war niemandem aufgefallen, dass von allen Geschenke da waren, nur nicht von den Söhnen und mir beispielsweise… Bernd löste das mal kurz auf und die besagte Tüte wurde überreicht. Alle hatten viel Spaß, denn Traudel las zwar brav den Text auf der Tüte (”Auf kleine Kinder aufpassen, nicht über’n Kopp stülpen” usw.), aber erst als wir dann “eingriffen” und die Tüte aufmachten, begriff sie, was wir ihr da geschenkt hatten und war sichtlich geschockt bzw. gerührt. Matthias, Bernd und ich installierten das Gerät dann wenige Tage später, da war die Begeisterung dann völlig komplett. Das Altteil kassierten wir auch gleich ein zwecks Entsorgung.
Ganz die professionelle Gastgeberin hielt Tantchen die Tischrede vor der beginnenden Völlerei, die mit einem Gläschen Sekt (oder war’s Prosecco?) eingeläutet und mit leckerem Würzfleisch fortgesetzt wurde. A la Carte ging es dann für die Gäste weiter.
Und ich machte nun meine weitere Erfahrung in Sachen Nichtraucherschutz: Nach Brandenburg gibt es also auch in Sachsen den Gemeinschaftsaschenbecher vor der Türe. Aber wie schon am Tag zuvor tat es nicht wirklich einen Gemütlichkeitsabbruch, dass sich der eine oder andere draußen wiederfand.
Geburtstag Bernd
Nach der 50 gefühlte 100, aber dann wieder wie 49
Neben Tantchens 75. war natürlich das ganz große Highlight Bernds 50. (also 76. und 51. Geburtstag, um genau zu sein). Zwar war schon alles von langer Hand vorbereitet und geplant, aber es lag natürlich in der Natur der Sache meiner Anwesenheit, dass ich irgendwie noch mit involviert wurde. “Du bist inner SPD, also verstehste doch auch was von Reden.” war nur ein Gerücht, was ich Bernd auszutreiben gedachte. Wir malten uns seine Rede aber trotzdem im Rahmen eines so manchen Tagesabschlusses immer wieder aus – jeden Abend kam was anderes dabei raus… Aber seine Rede stand, dazu sollte ich auch noch eine halten, naja, im Prinzip bestand das Ganze dann aus einem “Viel Erfolg” für die Gäste und ich musste auch nix mehr sagen.
Gefeiert wurde im Vereinsheim des Dobritzer Fußballvereins, begrillt wurden wir vom Chef Frank Selber, also wirklich selber, also persönlich. Uns fehlte an nichts, auch nicht an Aschenbechern in der Kneipe, denn die Frage der netten Bedienung, ob hier drinnen Aschenbecher auf die Tische sollten oder nicht wurde recht schnell mit einem zweistimmigen “Ja” geklärt.
Wie ich Bernd zuvor versprochen hatte, schlossen wir gemeinsam den Raum ab. “Du kannst auch ruhig schon nach Hause fahren, kein Problem,” meinte Bernd zu mir. “Als wenn ich Dich alten Sack alleine lassen würde,” konterte ich. Klar, wir hatten beide den ganzen Abend über natürlich nur Wasser getrunken (bei mir waren tatsächlich zwei Maracudasäfte dazwischen
), am Absacker in der Küche (= Raucherraum) kamen wir letztlich dennoch nicht vorbei, wenngleich es zum Bierchen nicht mehr reichte. “Ach komm, trinken wir noch ein Glas Rotwein und einen Becherovka…” Hammwer gemacht und sind danach fix und fertig in die Heia gegangen (mein Quartier war die Wohnzimmercouch, Bernds eine Etage oben drüber auf dem Dachboden
).
Nostalgie I
Ist ja schon gut, heute heißt das gute Stück Dresdner Parkeisenbahn, aber früher, also zu DDR-Zeiten natürlich, wurde dieser damals wie heute beeindruckender Rundkurs durch den Großen Garten von den Jungen Pionieren der FDJ betrieben. Dieser unbedingte Pflichtbesuch des Dresden-Touristen (ich kann es wirklich nur jedem ganz ganz warm ans Herz legen und empfehlen) war in diesem Jahr endlich zeitlich möglich.
Wieder kamen Bernd und ich quasi wie aus einem Mund auf die Idee, doch wieder mal diesen Spaß mitzumachen, als wir auf unserem Gang zum Biergarten des Thorwirt die Gleise überquerten. “Könnten wir eigentlich auch mal machen…” Sagten wir uns unabgesprochen gleichzeitig. Damit war der Punkt also auf der Wochenordnung.
Wir erwischten wettermäßig einen durchwachsenen Vormittag, aber Hauptsache trocken und irgendwann kam dann auch die Sonne raus. Natürlich genehmigten wir uns die große Runde für absolut angemessene 4 Euro pro Nase. Der Andrang hielt sich allerdings – vermutlich auch wetterbedingt und eben wochentags – in Grenzen, was uns ein eigenes Abteil sicherte. Die Fahrt war natürlich toll, nur das Stammpersonal ist etwas älter geworden
.
Nostalgie II
30 Minuten Charolasee und die beiden “Opas”
Naja, die Unterüberschrift ist vielleicht doch zu reißerisch, aber wir haben in dieser halben Paddelstunde, die wir uns genehmigten, den Altersdurchschnitt auf dem Charolasee doch etwas gehoben
. Auch die doch recht saftige “Leihgebühr” für das Boot, in dem wir vermutlich schonmal vor gefühlten über 30 Jahren saßen (siehe Foto), konnte uns nicht abschrecken! Nachdem die Frage des Geldeintreibers wer denn rudert von Bernd mit einem klaren “Er” geklärt war, ging es los. Die Heuschrecke bestach mit seiner präzisen Angabe der Uhrzeit, zu der wir wieder zurück im “Hafen” sein müssten… Ne, ist klar, 30 Minuten draufrechnen bekommen wir auch alleine hin…
So legten wir also ab und ich los weg von der Anlegestelle in Richtung der Fontäne inmitten des Charolasees. Zu meiner Überraschung klappte die Ruderei immer noch, denn ich habe das wirklich zum letzten Mal wie gesagt “damals” gemacht. Nach dem ersten Drittel unserer Ruderzeit sinnierten wir von früher: “Weißt Du noch? Wir gingen rudern, um im Prinzip heimlich zu rauchen…” “Gute Idee,” meinte Bernd. Das zweite Drittel gehörte also der Zigarettenpause für nunmehr in die Jahre gekommenen Oldies
.
Jetzt sollte es spannend werden, denn im letzten Drittel unseres Ausfluges sollte Bernd uns nun zurück zum Steg und zum dort ansässigen Biergarten rudern. Wir mussten also die Plätze tauschen… Bei der Aktion kamen wir bald mehr ins Schwitzen als bei unserem Leistungssport – irgendwie ging das früher stressfreier, stellten wir fest
. Wer von den um uns rumrudernden Mitpaddlern spekuliert hatte, dass sich da jetzt gleich ein Schauspiel abspielen wird und einer oder beide schwimmend zurück müssten, sah sich aber getäuscht
.
Pünktlich, trocken und natürlich unfallfrei (naja, Bernd hat dem Opa mit seinem Enkel gerade noch ausweichen können bzw. umgekehrt
) fanden wir zum Ausgangspunkt zurück und auch der Ausstieg klappte. Der feste Boden unter den Füßen war uns aber irgendwie auch wieder ganz recht, so dass wir uns für unsere olympische Leistung im angrenzenden Biergarten belohnten.
Schiffstour nach Pillnitz
Schloss Pillnitz, die Elbefahrt, der Fernsehturm und das verstopfte Lokus
“Wir fahren mit der Weißen Flotte nach Pillnitz, wandern von dort dann zum Fernsehturm und fahren da dann hinauf. Ich kenne mich aus und weise Euch den Weg.” So oder so ähnlich der O-Ton Tante Traudels anfangs der siebziger Jahre. Als im Rahmen ihrer Geburtstagsfeier am Vortag eine gemeinsame Dampferfahrt nach Pillnitz ins Auge gefasst wurde, konnte ich (auf dem Balkon befindlich) nicht mehr und musste “laut grinsen”. Traudel guckte schon vorher zu mir rüber und auch Bernd und Matthias grinsten breit. Da war sie wieder, die Historie
.
Wie damals machten wir die ausgesprochen tolle Fahrt über die Elbe hinunter nach Pillnitz mit. Treffpunkt sollte zuvor um 11 am Postplatz sein. Bernd und ich waren auch pünktlich, doch damit hatten die anderen vermutlich absolut nicht gerechnet, denn sie machten alles andere, als am Treffpunkt zu warten und waren schon auf dem Weg zur Anlegestelle unterhalb der Brühlschen Terasse. Auf dem Schiff bekamen wir einen tollen Platz, und auch der Service war gut, so dass uns das lecker Radeberger nicht fehlte bei blendendem Wetter!
Eine herrliche Fahrt, von der ich dermaßen begeistert war, dass ich glatt den Fotoapparat vergessen hatte, was mich immens ärgert. Muss nächstes Jahr nachgeholt werden… Ziel war jedenfalls Schloss Pillnitz und sein wunderschöner botanischer Garten, dessen Höhepunkt sicherlich die berühmte Kamelie ist.
Die Wanderung zum Dresdner Fernsehturm, den man von dort aus immer (!) im Blick hat, fiel aber nicht zuletzt aufgrund meiner Intervention aus. Damals scheuchten wir ca. acht Stunden in Richtung Turm, hatten ihn auch immer im Blick, erreichten ihn aber irgendwie nie. Als wir dann gegen 18 Uhr endlich vor ihm standen, war das Teil geschlossen… Bis heute, also über 30 Jahre später, ist dieser Tag immer noch ein hochaktuelles Gesprächsthema bei allen Gelegenheiten
. Dazu zählt auch die Tatsache, dass in der Kneipe, die nach dem HorrorGewaltmarsch Ziel unserer ausgetrockneten Kehlen war, nach dem zweiten Bier für die Erwachsenen Schluss mit lustig war, denn es gab nix mehr: “Mitwoch ist erst wieder Bier(liefer)tag.” kredenzte der Wandertruppe (ich u.a.: “Die blöden Steine…”) die “volkseigene” HOG-Bedienung… (Zu sowas will übrigens die SED zurück…).
Es ging, jetzt wieder mal zurück zur Gegenwart, mit dem Bus in Richtung Dresden mit Zwischenstopp in der “Erbgerichtsklause”, in der unsere Vorhut Matthias per Motorrad bereits Sitzgelegenheiten sicherstellen konnte. Bierchen und etwas zwischen die Kiemen war hier am Elbufer angesagt – und wir mussten wieder an die Story von vor über 30 Jahren denken, die sich irgendwie fortzusetzen schien… Man konnte die körperlich nötigen Entsorgungen aufgrund einer ultimativen Verstopfung für eine Weile nicht mehr tätigen. Tantchen gehörte mit zu den letzten Gästen, die dieses Luxus genießen durften, Bernd traten so langsam die Augen raus und ich sachte dann dem Klempner schließlich, dass wir ansonsten die alte Standleitung hinunter zur Elbe wiedereröffnet hätten
.
Ziegengrund
Garten, Quelle, Standseil- und Schwebebahn sowie “Tatortluft”
“Am Bergeshang” – so kenne ich seit Urzeiten den Garten im Loschwitzer Ziegengrund. Schon zu Zeiten Gretels und Hermanns – also vor Jahrzehnten – war der Besuch einfach Pflicht, so natürlich auch wieder in diesem Jahr. Mit der Standseilbahn ging es zunächst hoch zur Bergstation. Von dort führt dann ein Weg zum Garten, den ein “Fremder” nicht so einfach finden würde, aber ich bin ja kein Fremder
… Bernd und ich machten also unsere “Mittagspause” bei gewohnt herrlichem Wetter vor der (neuen) “Hütte” und erzählten uns natürlich Geschichten und Anekdoten aus der Vergangenheit. Hier kamen natürlich auch die üblichen Dinge zur Sprache, über die ich mich jetzt aber ganz bewusst ausschweige…
Den Rückweg wollten wir, an der ebenfalls uralten Quelle vorbei, hinunter zum Blauen Wunder zu Fuß absolvieren. Eine Alternative wäre vielleicht die Schwebebahn gewesen, die vom Weißen Hirsch besteigbar ist, aber wir wollten laufen. Hin zum nächsten Ziel unserer irgendwie auch historisch bedingten Route zum Elbufer. Genauer gesagt: Zum Elbegarten
. Dieser ist übrigens der direkte Nachbar des Körnergartens, der wiederum genau dieser ist, in dem Peter Sodann und Bernd-Michael Lade so manchen Feierabend-Bierchen geschlürft haben.
Prager Straße und Hauptbahnhof
Springbrunnen, Interhotels, Intershop und ultimativ geheimer “Pinkeltipp”
Also um es gleich vorweg zu nehmen: Der Geheimtipp ist das “Borowski” auf der Prager Straße, bzw. knapp, denn über eine Treppe in einer Seitenstraße gelangt man nach oben. Die Toiletten sind dann gleich rechts hinterm Eingang, hinter der Garderobe. Mich hat jedenfalls niemand bemerkt, zur Not hätte ich aber auch noch einen Kaffee geschlürft oder was weiß ich, jedenfalls konnte der Bummel “unfallfrei” weitergehen
…
Die Prager Straße war damals natürlich anders geprägt als heute, auch wenn die alte, also sozialistische, Bausubstanz noch weitestgehend vorhanden ist. Sogar das “Centrum-Warenhaus” wird eine Wiedergeburt erleben – jedenfalls äußerlich, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass man die wohl ersten Rolltreppen der DDR (mit Sperrholzverkleidung, rumpelig und wackelig und nicht besonders vertrauensbildend, also um es auf den Punkt zu bringen: russisch robust…) wieder einbaut
. Natürlich stehen auch noch die hochmodernen Interhotels “Bastei”, “Königstein” und “Lilienstein” sowie das “Newa” noch. Allesamt First-Class-Hotels in der DDR. Also sowohl mit Intershop als auch mit festen Stasi-Räumlichkeiten und mit “Zusatzdienstleistungsgewerbetreibende” für den solventen Kapitalisten, der sich fern der Heimat die einsamen Stunden an der Bar versüßen wollte
.
Was mich immer schon gefreut hat und ich nochmal erwähnen möchte ist, dass die Investoren wohl so einige geändert haben, aber die Eingänge zu den Hotels im Ursprung belassen habe. Da prangen also die Namen mit der stilisierten Landkarte immer noch. Blöderweise habe ich das nicht fotografiert, da ließe sich das besser erklären. Verschoben auf nächstes Jahr…
Die Springbrunnen gehören für mich zur Prager Straße wie für “alte” Dresdner das Gefühl, dass dies nicht “die” Prager Straße ist. Diese hatte nur ein Bruchteil der heutigen Breite und war dicht bebaut und besiedelt. Heute erinnert daran nichts, ich kenne sie persönlich nur mit den großzügigen verschiedenen Brunnen in der Mitte, die zu DDR-Zeiten auch mal gerne trocken blieben in der Hitze (Stichwort Wassermangel). Wenn sie aber mal liefen (und das haben sie auch wieder bei meinem Besuch getan), dann waren sie ein echter Hingucker. Mein Vater machte damals mal irgendwie so ein “Überblendfoto” (oder wie das heißt) von den “Pusteblumen” und schickte es zu einem Fotowettbewerb des ZDF ein. Immerhin bekam er als Preis eine Vergrößerung seines Bildes, das heute noch eingerahmt in seinem Wohnzimmer hängt. Wie in der Bildunterschrift schon gesagt kann ich damit nicht mithalten.
Der Dresdner Hauptbahnhof – welch eine Geschichte! Persönlich und historisch persönlich, obwohl ich nicht dabei war. Hier sind wir also anno dazumal nach stundenlanger Fahrt angekommen und abgeholt worden. “Da, Intershop.” grinste Bernd auf die Treppe zeigend. “Jou, brauchste Zigaretten?” Da geht eine Treppe rauf, die Erinnerungen werden sofort wach, als man hier unten sich der Schlange angeschlossen hat. Die Gerüche meint man wieder zu spüren. Man denkt an Matchbox-Autos, Kaffee, Zigaretten und überteuerten Elektroartikeln wie z. B. Kassettenrekorder oder Taschenrechner. Foto der Treppe? Fehlanzeige, vergessen vor lauter Erinnerung…
Aufstieg zur Frauenkirche
Wenn einem die Worte wegbleiben…
Fest vorgenommen hatte ich mir den “Aufstieg” auf die Frauenkirche. Die 67 Meter hinauf wird man zu einem Teil ja noch bequem im Aufzug befördert, hinunter geht es aber ausschließlich zu Fuß. Es hat sich gelohnt! So erzählte eine Aufzugmitfahrerin, wie sie mal in der damaligen Sowjetunion sechs Stunden in einem Aufzug festsaß und wie man letztlich da rauskam. Oben auf der Aussichtsplattform meinte ein Kölner Tourist trocken: “Ihr könnt mir sagen was Ihr wollt, der Turm schwankt. Das muss er ja auch.” War schon ein lustiges Trüppchen da oben
.
Das Wetter spielte an diesem Tag mit und so konnte eine unvergleichliche Aussicht auf Dresden und das Umland genossen werden. Keinen Hehl möchte ich draus machen, dass mir vor allem beim Blick über die Brüstung nach unten schon ein bisschen mulmig wurde. Natürlich nutzte ich die vorgesehene Aufenthaltsdauer von 15 Minuten aus. Den Rundumblick versuchte ich filmisch und danach auch noch zusätzlich durch Bilder einzufangen.
Nicht minder beeindruckend war aber auch der Rückweg nach unten, der wie gesagt zu Fuß absolviert werden muss. Dabei führt um das Kuppelstück ein schneckenartig umlaufender Weg mit sanftem Gefälle und mit ständigem Blick in das Innere der Frauenkirche. Es ist schon ein Wahnsinn, was man damals mit der freien Kuppel zustande gebracht hat.
Ein Besuch der Frauenkirche und Besichtigung der Kuppel sollte zum Pflichtprogramm des Dresden-Touristen gehören. Auch wenn sich der dafür zu entrichtende Eintritts- bzw. “Besteigungspreis” von Acht Euro happig anhört, so muss man auch bedenken, dass dadurch auch ein Beitrag zum Erhalt bzw. der Wartung des Gesamtkunstwerkes verbunden ist. Steht man einmal oben, dann verschwendet man keinerlei Gedanken mehr an den Preis. Übrigens muss man auch nicht befürchten, dass es dort oben überfüllt sein wird, denn die Gruppenstärken werden schon am Eingang entsprechend gesteuert. Insgesamt brauchte ich knapp eine Stunde für das ganze Unterfangen, was jedoch auch daran lag, dass ich mir auf dem Weg nach unten viel Zeit zum Gucken und Fotografieren nahm. Zu keinem Zeitpunkt wurde man irgendwie gedrängt, sich zu beeilen, das Personal hielt sich dezent im Hintergrund.
Sommerzeit ist Biergartenzeit
Die eleganteste Umgehung des Rauchverbotes und die “verbrannten” Folgen
Auch ohne das Rauchverbot hätten unsere diversen Kneipenbesuche immer dort stattgefunden, wo sie sich abspielten: im Freien! Das Wetter spielte die ganze Woche über durchweg prächtigst mit, so dass sich die Frage nach drinnen oder draußen zu keinem Zeitpunkt stellte. Mehrmals saßen wir im Biergarten der “Wachstube”, natürlich im Elbe- wie gegenüber am anderen Elbufer liegenden Schillergarten. Der Johannstädter Fährgarten lässt gar keine andere als die Freiluftwahl, was auch für den Biergarten im Großen Garten gilt. Im Zentrum, also rund um den Neumarkt, gab es sowieso ausreichend Freiluftplätze.
Selbst beim Abendessen in Striesen beim Griechen saßen wir draußen, wurden nur ab 22 Uhr präventiv freundlich darauf hingewiesen (nein, wir waren nicht laut, aber dort hallt es ein wenig), dass wir bitte nicht allzu laut sein mögen, da es in der Vergangenheit schonmal Anwohnerbeschwerden gegeben hätte. Kein Problem!
Die Folgen der “Biergartenwoche” kamen dann zum Vorschein, als ich wieder zu Hause war. Wer denkt schon daran, dass man sich Kopf, Ohren und Nase verbrennen könnte? Als wenn unsereins mit Hütchen und Sonnencreme die Welt bereisen würde – pah!
Ebenfalls im Freien genossen wir übrigens ein Hanfbier in einem Biergarten in der Neustadt, nachdem wir zuvor – natürlich – im ehemaligen “Narrenhäus’l” unsere Neustadt-Tour begonnen hatten. Dort kostet die Benutzung der (blitzsauberen) Toilette übrigens 50 Cent, die ein freundlicher Herr kassierte und sogleich einen “Verzehrgutschein” über die Summe aushändigte mit der Erläuterung, dass dieser selbstverständlich in der Lokalität eingelöst werden kann. Absolut verständlich, denn somit wird verhindert, dass Nicht-Gäste für lau das Lokus benutzen…
Nur ein Wort: Dresden!
Was der “normale” Tourist vielleicht nicht so mitbekommt…
Schonmal ein Hanf-Bier probiert? Naturtrüb und in der Bügelflasche schmeckt es ganz hervorragend, was wir im Neustädter Louisengarten feststellen konnten.
Geht man als Dresden-Tourist einkaufen wie zu Hause? Wohl kaum. Dabei lohnt ein Besuch der Altmarkt-Galerie und ein Mittagessen in einer Metzgerei in der unmittelbaren Nähe. Naja, das Stuttgarter Bier aus der Flasche war Plörre, aber die hausgemachte Rinderroulade mit Rotkohl und Klösen war günstig und wie bei Muttern
.
Klar, der touristische Ballungsraum ist natürlich geprägt von Frauen- und Kreuzkirche, Schloss, Zwinger, Semperoper, Brühlsche Terasse und der unbedingt anzusehende Fürstenzug usw., die alle fußläufig nebeneinander liegen. Will man auch noch den einen oder anderen Museumsbesuch mitmachen, dann reicht die Zeit nicht. Sie ist für den Wochenendtouristen ohnehin zu knapp und selbst die eine Woche war in meinem Fall nicht ausreichend, was wir aber von Anfang an wussten. Entsprechend planten wir aber auch unsere Aktivitäten und setzten uns Schwerpunkte.
Relativ frei von Touristen war Dresden übrigens, wie ich fand. Meist kommen sie in Reisebussen daher oder natürlich auf eigene Faust per Bahn oder Auto. Tja, und da wünsche ich viel Spaß, denn es gibt immer noch reichlich Baustellen, die vor allem dem “Fremden” zu schaffen machen könnten wegen der kuriosen Verkehrsführung. So beispielsweise am Postplatz, den man aus meiner Sicht verkehrsführungsmäßig völlig verhunzt hat.
Gewöhnungsbedürftig, aber für mich als überraschend doch noch recht auskennender “Halbdresdner”, eigentlich nachvollziehbar war unsere Hinfahrt zu Tantchen, zur Maternistraße. Denn die Ernst-Thälmann-Straße
Wilsdruffer Straße ist eine einzige Baustelle, die nur in eine Richtung – nämlich aus Richtung Postplatz – befahrbar ist.
Überhaupt Maternistraße (gleich um die Ecke liegt die berühmte “Herkuleskeule”, Stichwort Wolfgang Stumpf, in die andere Richtung das Dresdner World-Trade-Center und die ehemalige Parteischule)… Dort ist das Parken nur noch für Anwohner mit entsprechendem Ausweis erlaubt. Nur ein ganz kleines Stück im Bereich des ehemaligen Konsums ist in knappen Zeitfenstern frei zu nutzen. Wenn man alleine an die Entwicklung in Sachen Parken in der Maternistraße denkt und sich an DDR-Zeiten zurückerinnert kann man abschätzen, wie sehr sich doch die Zeiten geändert haben. Früher war Platz ohne Ende vorhanden. Dann wurde beidseitig geparkt und nach der Wende hatte es was wie ein Lotto-Sechser, wenn man einen Parkplatz fand.
Parken in Dresden ist aber eigentlich einfach, sogar im Zentrum. Entsprechende Beschilderung hilft auch demjenigen, der keinen blassen Schimmer hat, wohl aber ein paar Euros für die mehr oder minder moderaten Parkgebühren. Zum Glück hat unsereins aber solche Probleme natürlich nicht
… Und damit das so bleibt, werde ich mich mit einem “Geheimtipp” an dieser Stelle zurückhalten
.
Mein Erstbesuch Tschechiens
Ha, hier werde ich Neid schüren
“Was hältst Du davon, mal nach Tschechien zu fahren? Tanken, Zigaretten?” regte Bernd an. Eine gute Idee, denn mein Tank war leer genug, hätte eh aufgefüllt werden müssen für die Heimfahrt, hatte aber noch genügend Sprit für die ca. 30 Kilometer lange Strecke durch die Sächsische Schweiz.
Ich muss ja sicherlich nicht extra erwähnen, dass die Fahrt “über die Dörfer” bei herrlichem Wetter stattfand. Die Landschaft ist malerisch und sicherlich einen Besuch Wert. So ging es schließlich durch Pirna in Richtung Grenzübergang, denn die alten Grenzbauten stehen natürlich noch – Schengen eben…
Bernd geleitete mich dann zu “seiner” Tankstelle in Tisá, klein (zwei Säulen), aber fein. Zur Auswahl stehen in Tschechien nur Diesel und Super, also rein mit dem Schnorchel und Liter für Liter knapp 20 Cent sparend das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen mit dem Gedanken, dies nach meiner Ankunft zu Hause hier genüsslich zu verbraten
.
Tja, und nu muss ich etwas erwähnen, ähm… Zum ersten Mal bezahlte ich mit Karte, hatte ich noch nie und ausgerechnet in einem Kaff an der tschechischen Grenze, an einer kleinen Tankstelle, kam es zur Première
… Natürlich hat es sich gelohnt, wie auch der Einkauf von den erlaubten vier Stangen Zigaretten für 100 Euro auf dem Rückweg nach Hause. Dazu bedienten wir uns dann übrigens der fast autofreien BAB 17. Bernd kaufte übrigens noch ein Fläschken Becherovka, dem wir in nicht allzu ferner Zukunft die ersten Geister auszuhauchen gedachten
…
Das war also im Handumdrehen mein erster Tschechien-Besuch. Zur Nachahmung empfohlen!
Rund um die Autofahrerei
Dem Navigationsgerät mehrere Schnippchen geschlagen
Vorweg eines: Es waren insgesamt knapp 1.900 Kilometer, die ungewohnt staufrei bewerkstelligt werden konnten. So hatte ich doch zumindest auf der “Warschauer Allee”, die BAB 2, bei Bad Eilsen mit dem dort eigentlich üblichen Stau am Freitag gerechnet, aber nix war! Erstmals mit auf großer Tour war natülich mein neues Navigationsgerät. Und es musste schon mächtig rödeln, wie ich eingestehe. Kurzum, den “Härtetest” hat es letztlich glänzend gemeistert!
Nun ist es ja so, dass der Routenverlauf meiner “Osttour” feststeht. Ein Navi brauche ich dazu eigentlich nicht, aber dennoch hat es sich als durchaus nützlich gezeigt, wie z. B. später in Dresden (aber auch dort brauchte ich es nicht wirklich, aber weiß man’s vorher?). Als ich mich am Samstag von Naundorf auf den Weg nach Dresden machte, der natürlich wie immer nur über die Dörfer und Bundes- und Landstraßen führen sollte, hatte die Tusnelda zunächst alle Mühe, mich ständig zum Wenden aufzufordern. “Zu DDR-Zeiten wärste jetzt schon längst in Stasi-Gewahrsam bei Deiner ständigen Wende-Forderung.” grinste ich so in mich selbstgesprächend hinein
. Aber sie packte es dann doch recht schnell, dass ich – wie schon am Freitag zuvor, als ich eben nicht die zweite, sondern schon erste Kreisverkehrsausfahrt in Forst nahm, weil ich natürlich über den Bahnübergang wollte/musste – nicht immer nach ihrer Pfeife fahre. Nachdem ich mich ihrem Willen, auf die A 15 zu fahren, widersetzte (danach kamen dann erstmal die staatsfeindlichen Unterwanderungsversuche) schmiss sie ihre Sturheit über Bord und erkannte, dass ich die Bundesstraße 97 zu nehmen gedachte. Spremberg, Hoyerswerda, Hermsdorf, Ottendorf-Okrilla usw.
Nein, auch da wollte ich dann für die letzten paar Kilometer nach Dresden nicht mehr auf die Autobahn, was Tusnelda auch rasch erkannte. Ich konnte förmlich erahnen, wie sie nun die Berechnungsaugen verdrehte und sich sagte: “Gut, dann eben über Klotzsche in Richtung Hähnelstraße
…” Und wieder musste ich desöfteren anders fahren als von ihr gedacht. Denn sie meinte es sicherlich gut mit mir und wollte mich wohl auf den kürzesten Weg ans Ziel führen. Nur hielt ich mich nicht dran und folgte – wie immer – der Ausschilderung der Gläsernen Manufaktur, am Rudolf-Harbig-Stadion und Zoo vorbei. Hier war übrigens am frühen Vormittag schon jede Menge los. Polizei und Fußballfans bereiteten sich auf das letzte Heimspiel Dynamo Dresdens gegen die Zweitvertretung von Werder Bremen vor. Zudem stand eine für Dynamo richtungweisende Mitgliederversammlung auf den Plan, die letztlich durch eine Satzungsänderung den Weg endgültig freimachte für die Vereinsrettung.
Tusnelda hatte mich letztlich überzeugend bis vor die Haustüre gelotst – naja, oder ich sie
… Dass ich mir ausgerechnet einen Parkplatz unter der Kastanie ausgesucht hatte, nein, das war ganz alleine meine (bescheuerte) Entscheidung. Mein Auto sah am Ende der Woche entsprechend “beschissen” aus und das Unwetter hatte zudem einige Kastanienblüten verteilt…
Am Sonntag sollte es dann wieder nach Hause gehen. Natürlich hätte ich noch verlängern können, aber ich wollte noch ein paar Tage Resturlaub ausnutzen und natürlich dem LKw-Verkehr durch die Woche entgehen. Und auch meine Rückfahrt war natürlich Teil einer Planung, denn Bernd’s Auto stand ja noch auf dem Parkplatz in der Nähe seiner Geburtstagsfeier, seine Geschenke wollten auch noch abgeholt werden. Und so war klar, dass ich ihn dort hinbringe und er bis kurz vor der Autobahn vor mir herfährt (nicht so einfach in einem Stadteil, in dem sich unsereins noch nie rumgetrieben hat, der also völlig unbekannt ist). Die obligatorische Abschiedszigarette wurde geraucht und dann kam eben der Abschied…
… und die Schlussfahrt meiner diesjährigen Rundreise. Bis zum Autohof Gesecke reichte übrigens mein “Tschechen-Sprit”
. Nach der nötigen Tankerei wollte ich – klar, es war ja auch im “Westen” warm wie sonstwas – mir eine schöne große Apfelschorle gönnen. Draußen waren die Tische frei, alles klar, da kannste auch rauchen, dachte ich. Also hinein und das Getränk bestellt, “ja, ich setze mich nach draußen” – “Ich bringe sie Ihnen raus.” Und ich sah auf der Theke Aschenbecher und ich wunderte mich: “Was ist denn hier los? Haben die was nicht mitbekommen?” Ohne Scherz: Ich konnte das nicht “wechseln”. Erst als ich wieder auf der Autobahn war kam ich drauf: Mensch, Du bist doch schon wieder in Deinem nicht minder als Brandenburg und Sachsen geliebten Nordrhein-Westfalen
…
Das bisschen zähfließender Verkehr um das Kamener Kreuz herum behinderte etwas, aber auch die Rückfahrt war alles in allem als staufrei zu bezeichnen, so dass ich letztlich entspannt wieder zu Hause ankam. Und das in einer hervorragenden Zeit, ohne Raserei, sondern gemütlichen “Laufenlassens”, wo es eben ging. Ungeblitzt!
Der “unbemannte” Infostand und die SPD Dresden
WebSozis des Monats mit dem Ernst-Thälmann-Preis ausgezeichnet, Junge Pioniere beim Zocken erwischt und Luftballon(s) (weiter)verteilt *scherz*
In einer Woche Dresden war ich öfter und mehr mit den Dresdner Genossinnen und Genossen zusammen als im letzten dreiviertel Jahr mit mit meinem eigenen Gocher Ortsverein. Ein Kuriosum, was aber rein damit zusammenhängt, dass es mein Dienstplan nunmal nicht anders zuließ, der eben nun ein “U” für Urlaub aufwies und keine Spät- oder Nachtschichten
. Dass man sich treffen wollen würde war schon klar, als das Projekt SPD-Kommunahlwahlen mit der Auszeichnung “WebSozis des Monats Juni 2008″ ausgezeichnet wurde. Erstmals sollte also der “Online-Preis” “offline” überreicht werden. Und ich durfte das (gut, hatte ich auch vorgeschlagen, denn ich wollte natürlich auch endlich mal die Dresdner Sozis persönlich in den Arm nehmen kennenlernen
…).
Fast schon generalstabsmäßig bereitete man sich also schon im Vorfeld auf die Übergabe des Preises vor. Am Montag sollte es soweit sein, als Treffpunkt wurde das Baroccoco am Altmarkt ausgeguckt, weil man da einen Raucherbereich hat
. Mit dabei war natürlich auch Bernd, der keinerlei Parteizugehörigkeit verdächtig ist, aber natürlich gerne mitkam und auch gespannt auf das Treffen war. Also SED-Wähler war er nie und ist er bis heute nicht, sachichmal
…
Ein bissel Verwirrung gestiftet haben wir dann aber doch. “Ernst-Thälmann-Straße?” “Ja, Wilsdruffer Straße eben,” grinste ich. Und meinte auf die Frage nach weiteren Vorhaben: “Natürlich wollen wir mit der Pioniereisenbahn fahren.” “Die heißt doch Parkeisenbahn!” “Ja, aber damals nicht…” Ich hatte Spaß dran, entschuldigt bitte
.
Es war ein toller Nachmittag mit dem Höhepunkt der “Preisverleihung”. Eine Urkunde hatte ich schon im Vorfeld versucht zu gestalten, Sabine brachte sie nun entsprechend vernünftig ausgedruckt mit. Die Frage des Ortes der Übergabe schwankte zwischen Herbert-Wehner-Platz und Altmarkt mit der Frauenkirche im Hintergrund. Auf letzteres einigten sich schließlich die beiden Grazien Sabine und Ines und man ließ uns auf die Baustelle Altmarkt, wo ich dann den Preis übergeben durfte.
An dem Dienstag der nächsten Woche sollte Münte nach Dresden kommen, aber ich wäre dann schon wieder zu Hause – leider. So machten wir uns aus, uns vielleicht nochmal in meiner Dresden-Woche zu treffen. Das machten wir dann auch und besuchten die Dresdner SPD-Zentrale in der Prießnitzstraße in der Neustadt. Der aktuelle Wahlkampf war nicht von der Hand zu weisen, dennoch wurden wir freudig begrüßt.
Während Bernd und ich also bewirtet wurden arbeitete Sabine am PC und Ines draußen im Garten an den letzten Plakaten für den Münte-Besuch. Die Jusos saßen derweil an einem runden Tisch und spielten Karten. Mit Chips als Einsatz, was mich zu der süffisanten Frage “provozierte”, ob die Jusos hier gerade die Wahlkampfkasse verzocken
. Man konnte mich aber beruhigen und erklärte mir sogar die Spielregeln (die ich aber schon wieder vergessen habe, war aber alles harmlos, wirklich…).
Am Freitag wollten wir zum “Rentnermarkt”, wie Bernd ihn liebevoll nennt. Einmal runter, einmal den anderen Straßenzug wieder zurück, wollten wir uns danach dann in Richtung Biergarten “Wachstube” bewegen, um auf meine Schwester Sabine und Jürgen zu warten, die sich auf der A 4 den Weg in Richtung Dresden bahnten und um Gera herum von Stau zu Stau fahren mussten. Jedenfalls sah ich schon so einen roten Stand mit Luftballons, konnte aber nicht sehen, wer da wahlkämpft. Am Ende unserer Marktschleife sah ich dann aber alleine schon den Stand, also die Ausstattung: Klar, kann nur SPD sein. Da sah ich auch schon ein bekanntes Gesicht und meinte nur noch zu Bernd: “Guck mal, wer da ist.” Wir wurden jetzt auch entdeckt – uns wird man halt nicht so einfach los
.
Auf jeden Fall habe ich die Begrüßung natürlich genossen und auch noch kurz mit dem Dresdner Oberbürgermeisterkandidaten Peter Lames gesprochen und ihm viel Glück für den kommenden Sonntag gewünscht – alles, was ich als Nicht-Wahlberechtigter machen konnte.
Zum Abschied vom Infostand der Dresdner SPD bekam Bernd ein Blümchen und ich einen Luftballon. “Dooooch, den musst Du jetzt mitnehmen,” bestand Ines darauf, Widerstand war zwecklos. Da es Bernd und mich in den Beinen zuckte, machten wir einen Abstecher in den Biergarten der gegenüberliegenden “Wachstube”. Bernd war schneller übrigens, da ich mich irgendwie nicht vom SPD-Strand trennen konnte…
“Wir stehen bei Gera im Stau und fahren jetzt eine Umleitungsstrecke, die unser Navi nicht draufhat,” war dann unsere Info von Schwesterlein und Jürgen. Bleiben wir halt hier noch auf ein Bier mehr hocken, waren wir uns einig. Plötzlich gab es Aktivitäten beim Blick über die Lenné-Straße: Die SPD baut den Stand ab! Dabei wollte ich doch noch ein Bild schießen. Habe ich letztlich auch gemacht, denn da waren doch tatsächlich noch Luftballons. “Bürgerbeschwerde, ich protestiere! So entsorgt Ihr also Luftballons…” Ines begründete meine unbegründete “Beschwerde” damit dass dies “unser unbemannter Infostand” sei
.
Aha, “unbemannter Infostand”, nicht schlecht, da gingen mir die Argumente aus
. Erst als ich wieder zu Hause war habe ich Ines dann gebeichtet, dass ich den Luftballon an einen Knirps weiterverschenkt und somit ganz ganz bescheiden ein bisschen Wahlkampf für die Dresdner SPD und Peter Lames gemacht hatte. Es wurde mir verziehen…
.
Schmunzeleinheiten
Was man im Urlaub nicht so alles entdeckt…
Zwerge sind klein, suggeriert der Begriff. Kaninchen sind lecker, das weiß man… ähm… Moment… Ne, niedlich sind Kaninchen! Im Biergarten der in diesem meinen schon mehrfach erwähnten “Wachstube” steht auch ein Karnickel-Stall. Die putzigen Vierbeiner werden als Zwergkaninchen zum Kauf angeboten. “Zwerg”kaninchen? Ich bin kein Zoologe, aber sind diese Prachtexemplare, die dort im Stall Objekt der Begierde sind, wirklich Zwergkaninchen? Das sind doch jetzt schon ausgewachsene lecker Brat…. ähm…
Welche Reklameaussage an einem Fahrradständer ist wohl ehrlicher und zutreffender als die für Luftpumpen? “Kannst Du mir was pumpen?” fand ich klasse und das Angebot von 4,85 Euro zwar happig, aber damit muss das Marketing ja wohl auch mit reingeholt werden.
Auch nicht schlecht war das Graffiti, ebenfalls in Dresden-Neustadt, gegen eine Nazi-Demo. Aus meiner Sicht absolut nicht berechtigt, an ein Haus geschmiert zu werden, denn der Eigentümer hat das Nachsehen, es geht heutzutage nämlich auch anders, aber vom Kern her schon. Handeln gegen die braune Brut ist immer gut, aber dann sollte man – wenn schon – auch den Termin richtig “schmieren”. Kontraproduktiv würde ich mal sagen…
Schlussbemerkungen
Versuch, die Emotionen irgendwie doch noch in den Griff zu bekommen
Einen Monat habe ich für diesen Bericht benötigt. Viel zu lange, was mir auch klar ist. Aber zunächst musste ich wirklich erstmal alles sacken lassen, dann war zwischendrin auch wieder arbeiten angesagt und mit dem WebSozis-Treffen 2008 kam ein weiterer Jahreshöhepunkt dazu. Dazu kostet ja auch die Bildbearbeitung nicht wenig an Zeit.
Knapp über eine Woche war ich auf Achse. Wie immer war die Vorfreude enorm und wurde nur durch das persönliche Wiedersehen auf allen Etappen realisiert. Nun war ja dieses Mal klar, dass ich einen “richtigen” Dresden-Urlaub machen würde/könnte. Aber ein Genuss war meine diesjährige “Osttour” von vorne bis hinten, mit allen, die mir dabei begegnet sind. Klar, mein Schwerpunkt lag natürlich auch dieses Jahr wieder auf Dresden, aber das verstehen die Ehemaligen aus Preschen schon
.
Die Woche war einerseits zu kurz, andererseits ist man doch immer wieder glücklich, wenn man zu Hause ist. Zu Hause, das könnte ich durchaus auch in Dresden sein, mag man sagen. Stimmt, aber ist man dann auch alltagstauglich? Ich behaupte mal das “Ja”, aber mal ganz ehrlich: Ich bin kein “richtiger” Großstadtmensch… Aber ich würde nie Nie sagen. Zu Dresden schon gar nicht.
Ganz herzlich bedanken möchte ich mich abschließend sowohl bei Elke, die unser Ehemaligentreffen wieder vorzüglich organisierte wie auch bei meinem Kumpel und Gastgeber Bernd, der mir mal wieder seine Couch für mein müdes Haupt zur Verfügung stellte und überhaupt alle Freiheiten – wie immer
.



bembelkandidat
via Website
07 Jun 2008
interessanter bericht, lustige hinweise und ebenso interessanter textaufbau, gute idee, koennte ich ja als kontrastprogramm vielleicht auch mal mit einem beijing-bericht so versuchen…